Kommentar O. Smago -Listenführer MB Bezirk Koblenz-
Warum fordert ein amtierender Kammerpräsident zum Ende seiner Amtszeit eine grundlegende Umstrukturierung jener Institution, welche er jahrelang in der bestehenden Form geleitet hat?
Ein wenig befremdlich wirkt das schon, sind doch 10 Jahre nicht wenig Zeit, um mit guten Argumenten und sachlicher Diskussion einen Wandel zumindest anzustoßen. Warum also jetzt, nachdem sich eine langjährige Ära einem Ende zuneigt?
Zum Thema: Wer glaubt, Kosten ließen sich pauschal durch eine Zentralisierung der Kammerstrukturen in Mainz abschaffen, der schaue sich die Entwicklung in anderen, vergleichbaren Strukturen an. Günther Matheis nennt davon einige. Seine Interpretation vermeintlich erfolgreicher Umstrukturierungen in der Vergangenheit ist durchaus umstritten und wir müssen sehr genau hinschauen, um auch aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen. Es ist zu befürchten, dass Kosten sich mit einer Umstrukturierung nur verlagern und in der Tendenz eher noch steigen. Er selbst relativiert seine These, in dem er weiterhin die Strukturen auf Arbeitsebene in den Bezirksärztekammern beibehalten möchte. Auch die Verwaltungsstrukturen sollen bleiben. Wie Wirtschaft und Verwaltung entlastet werden sollen, lässt sich allenfalls erahnen. Es geht also offensichtlich primär um den Körperschaftsstatus.
Damit auch ich nicht missverstanden werde:
Eine ergebnisoffene Debatte begrüße ich ausdrücklich und unterstütze jede Bemühung um eine Erhöhung der Kosten- und Prozesseffizienz innerhalb des Kammergefüges in Rheinland-Pfalz.
Eine Konzentration des politischen Prozesses nur um der – ja, gelegentlich auch erschöpfenden - inhaltlichen Auseinandersetzung mit unserem Gegenüber zu entgehen sehe ich jedoch kritisch, insbesondere wenn diese einer Diktion und weniger einem demokratischen Diskurs folgt. Mit Blick auf eine in den letzten Jahren vielzitierte westliche Vorzeigedemokratie neige ich da eher zur Vorsicht.
Viele der von Günther Matheis formulierten Thesen werden als Fakten und Tatsachen vorgetragen.
Im vorangehenden Editorial des jüngst erschienenen Rheinland-Pfälzischen Ärzteblattes schreibt Peter Andreas Staub: „Gefährlich wird Sprache dort, wo sie Wahrnehmung unmerklich lenkt.“ und „eine demokratische Debatte lebt davon, dass ihre Begriffe nicht einfach nur korrekt, sachlich ausgrenzend, emotional abkühlend verwendet werden. Sie sollen auch erkenntnisoffen bleiben. Und vor allem muß Gesundheitspolitik nicht das Geld in den Mittelpunkt stellen, sondern zuallererst den Blick auf die Menschen lenken.“
Direkt folgend verwendet unser amtierender Kammerpräsident genau jene, im vorherigen kritisierten Stilmittel, um das Ergebnis einer zu führenden, konstruktiven Auseinandersetzung, um die künftige Gestaltung unserer Kammerstruktur vorwegzunehmen. Er bürdet der kommenden Kammerversammlung im Vorfeld auf, eine durchaus wichtige Debatte mit einer im Raum stehenden, von persönlichem Ehrgeiz geprägten Bahnung zu führen. Erkenntnisoffen geht anders.
Günther Matheis benutzt seine faktische mediale Monopolstellung, und erschwert der kommenden Generation eine Diskussion, von der er weiß, dass das von ihm skizzierte Ergebnis während seiner Amtszeit von der demokratisch gewählten Ärzteschaft in den dafür zuständigen Gremien im Land mehrfach klar abgelehnt worden ist. Haben wir es hier vielleicht mit einem der kolportierten, erstarrten Standpunkte zu tun? Ich hätte mir mehr persönliche Größe und Vertrauen in die kommende Kammerversammlung und die nachfolgende Generation gewünscht.
Einen Generationswechsel selbst zu orchestrieren, fällt allerdings vielen eher schwer. So offensichtlich auch Günther Matheis. Eine persönliche Bucket-List[1] zu hinterlassen, scheint eher weniger hilfreich.
Umso dankbarer bin ich unserem Bezirksärztekammerpräsidenten, Karlheinz Kurfeß, dass dieser mit sanften Tönen und unter Einbeziehung nicht nur des ihn tragenden, eigenen Verbandes, sondern auch aller weiteren standespolitischen Interessensgruppen im Bezirk Koblenz, den anstehenden Generationswechsel konstruktiv gestaltet. Nur so lässt sich ein politisches Erbe erhalten und Schaden vom eigenen Wirkbereich fernhalten.
Daran hätte sich Günther Matheis besser ein Beispiel genommen.
Als Listenführer des Marburger Bundes im Bezirk Koblenz werde ich zusammen mit den Kolleginnen und Kollegen im niedergelassenen und klinischen Bereich bemüht sein, die entstandenen Wogen zu glätten, der Unruhe durch einen offenen und konstruktiven Dialog entgegenzuwirken und drohenden Schaden von der ärztlichen Selbstverwaltung abzuwenden oder mindestens zu begrenzen.
Ich freue mich auf einen konstruktiven, erkenntnisoffenen und zielführenden Dialog innerhalb der Ärzteschaft, um die strukturelle Entwicklung der Kammern in Rheinland-Pfalz zum Wohle unserer Kolleginnen und Kollegen, aber insbesondere auch der von uns zu versorgenden Mitbürgerinnen und Mitbürgern weiter zu gestalten. Hierzu werbe ich für ein klares Votum aus der Ärzteschaft des Bezirkes Koblenz bei den anstehenden Kammerwahlen.
Olaf Smago
[1] eine Liste mit Dingen, die man im restlichen Leben gerne noch tun oder erreichen möchte (Wikipedia)


