Kommentar Dr. Meurer -Mitglied des Vorstands-
Mit Verwunderung habe ich Herrn Matheis im Editorial des Ärzteblattes seine anscheinend durch Unzufriedenheit mit den letzten 10 Jahren seiner Amtszeit geprägte Bilanz zur selbigen ziehen sehen. Überbordende Bürokratie spricht er an, und sieht in einer Zentralisierung der Entscheidungsorgane in der Mainzer Landesärztekammer die Lösung dieses Problems. Als Vorbild nimmt er dazu die KV RLP, die damals per Dekret der Landesregierung aus einer erzwungenen Zusammenführung entstand, sowie die ADD, die als überregionale Dienstleistungsbehörde kommunale Einrichtungen ersetzte. Zu mindestens den Werdegang der KV RLP durfte ich live erleben - die Verwaltungskosten UND die Bürokratie stiegen kontinuierlich. Allein deswegen kann ich der in dem Editorial beschworenen Logik nicht folgen.
Was mir aber ernsthaft Sorgen macht, ist die Thematik der Versorgungswerke. Nach meinem Kenntnisstand ist das Fortbestehen dieser ohne die Körperschaften der Bezirksärztekammern fraglich, und damit die Renten der bisherigen Einzahler sowie künftiger Mitglieder erheblich gefährdet! Leider kann auch die aus meiner Sicht oberflächliche Analyse des Justiziars a.D. diese Bedenken in seinem Beitrag nicht zerstreuen. Dazu wäre für mich mindestens ein verbindliches Rechtsgutachten und ebenso verbindliche Absichtserklärungen der Verantwortlichen rsp. Beteiligten notwendig.
Das heißt, dass bei aller Kritik an fehlender Kooperation, unnötiger Doppelstrukturen und servicefeindlicher Bürokratie wir uns hüten sollten, vorschnell funktionierende grundlegende Strukturen zu zerschlagen, nur weil sie jemand als rückwärtsgewandt betrachtet.
Trotzdem sehe ich in den neu zu wählenden Gremien mit einem schon jetzt initiierten Generationenwechsel eine gute Chance, auch für eine zukunftsfähige kooperative Berufspolitik nach innen und außen gerichtet zu wirken. Dabei ist der Schutz unseres freien Arztberufes wahrscheinlich unsere größte Gemeinsamkeit, und eine der größten Herausforderungen.
Dr. Anja Meurer


