Kommentar E. Erken, -stellv. Mitglied des Vorstands-
Der Präsident der Landesärztekammer fordert im Leitartikel des Ärzteblattes die Abschaffung der seiner Meinung nach überflüssigen Bezirksärztekammern in RLP. Er nutzt dabei eine nur ihm zur Verfügung stehende Möglichkeit, seine Meinung einer großen Öffentlichkeit kundzutun.
Wenn eine Neustrukturierung der Ärztekammern so dringend nötig wäre, wie er es darstellt, warum gibt es da nicht schon lange eine Arbeitsgruppe der Kammermitglieder, in der Vor- und Nachteile der bisherigen Strukturen diskutiert und Vorschläge zur Neustrukturierung erarbeitet und dann der Kammerversammlung zur demokratischen Meinungsbildung präsentiert werden? Dazu wäre eine ganze Legislaturperiode Zeit gewesen. Da hätte auch ein Jurist Rede und Antwort stehen können zu allen organisatorischen Fragen, z.B. auch zur weiteren Organisation der Versorgungswerke. Der Alleingang eines ausscheidenden Kammerpräsidenten wirkt da sehr befremdlich.
Was er bei seiner Kritik an vorhandenen Doppelstrukturen weitgehend außer Acht lässt, ist die Tatsache, dass die Bezirksärztekammern ihre Hauptarbeit, nämlich Organisation von Aus- und Weiterbildung, Facharztprüfungen, MFA-Ausbildungen, Bearbeitung von Beschwerden usw., weitgehend „geräuschlos“, zeitnah und professionell abarbeiten. Dabei landen nur wenige strittige Fälle auf der nächsten Ebene zur Mitentscheidung. Also von hemmenden Doppelstrukturen kann da nur selten geredet werden. In etlichen zentralisierten Bundesländern ist es weit aufwändiger, Beratung um Anerkennung und Befugnisse zu bekommen, da funktioniert die mitgliedernahe Arbeit der Bezirke effektiver.
Was besonders ärgert ist, das ohne Not eine interne Diskussion über Strukturen der Ärztekammern vom Zaun gebrochen wird, in einer Zeit in der viel dringendere und wichtigere Themen in der Öffentlichkeit von unserer Kammer nicht ausreichend bearbeitet werden! Die jetzige Struktur der Kammern funktioniert gut, auch wenn manches auf zentraler Ebene besser laufen könnte.
Die Kammern müssten sowohl in den Bezirken als ganz besonders auf zentraler Ebene unseren Widerstand gegen die Verschlechterung der Versorgung unserer Patienten klar äußern. Der Ärztemangel besonders im ländlichen Raum, der dramatische Ärztemangel in den Kliniken, die oft ohne ganz viele ausländische Kolleginnen und Kollegen nicht mehr arbeitsfähig wären, die immer häufigeren Insolvenzen von Kliniken mit drohender Unterversorgung ganzer Regionen – da hätte ein Präsident der Landesärztekammer in der derzeitigen politischen Situation wahrlich genug zu tun. Seine Aufgabe wäre, alle Ärzte im Land hinter unseren gemeinsamen Vorstellungen von einer guten medizinischen Versorgung zu vereinen und die von der Politik gewollte Spaltung der Ärzteschaft in Hausärzte gegen Fachärzte, Niedergelassene gegen Krankenhausärzte usw. nicht noch zu fördern.
Eduard Erken


