Kommentar Dr. Heck -Mitglied der Vertreterversammlung-
Mit Interesse aber mit noch größerer Verwunderung habe ich die Auslassungen des Präsidenten der Landesärztekammer im Editorial des letzten Ärzteblattes Rheinland-Pfalz gelesen. Herr Matheis spricht zahlreiche aus seiner Sicht bestehende Probleme und bürokratische Prozesse an und liefert gleich die aus seiner Sicht omnipotente Lösung, nämlich eine Zentralisierung der ärztlichen Selbstverwaltung und damit auch eine Zentralisierung der Macht durch Abschaffung der Bezirksärztekammern mit.
Völlig außer Acht bleibt, dass sich diese Strukturen in Rheinland-Pfalz über Jahrzehnte bewährt haben und es für mich auch keinen ersichtlichen Grund gibt, warum diese nicht, sofern erforderlich, zukunftstauglich gemacht werden könnten.
Grundsätzlich halte ich es für legitim und vor allem auch wichtig, bürokratische Hürden und Probleme in der Abstimmung unter den Kammern zu benennen und zu beseitigen, nur ist dafür eine Zentralisierung nach Mainz der richtige und einzige Weg, ich meine NEIN.
Ich bin selbst zu Beginn meiner ärztlichen Tätigkeit und auch Jahre später gegenüber den Ärztekammern mehr als skeptisch gewesen und habe mich immer wieder gefragt, wofür sind die Kammern da außer mich mit Formalien zu drangsalieren und dass ich Zwangsmitglied mit Zwangsbeitrag bin.
Seit ich jedoch als Mitglied der Vertreterversammlung der Bezirksärztekammer Koblenz und in der Landesärztekammer angehöre, musste ich erkennen, wie viele Aufgaben und Arbeit den Kammern zufällt und wie wichtig diese für eine Selbstverwaltung sind. Hinzu kommt, dass ich im weiteren Verlauf meiner Berufstätigkeit gerade in der Bez.-Ärztekammer Koblenz zuvorkommend, freundlich und immer sachkompetent beraten und unterstützt wurde. Das ist eine mitgliedernahe und immer wieder lösungsorientierte Betreuung wie ich sie für notwendig erachte. Bei einer zentralisierten Landesärztekammer wäre meine Befürchtung ein zunehmender unpersönlicher Behördencharakter.
Die in dem Editorial angesprochenen Punkte sind nicht, wie von Herrn Matheis dargestellt, mit einer Abschaffung der Bez.-Ärztekammern so mir nichts dir nichts zu lösen. Im Gegenteil droht eine Verschlechterung für die ärztlichen Kollegen, wenn die Selbstverwaltung und auch die damit verbundene Macht zentralisiert nur noch bei einem Organ liegen würde.
Herr Matheis hatte doch als Präsident der Landesärztekammer und früher der Bezirksärztekammer Trier reichlich Zeit gehabt notwendige und sicher auch berechtigte Reformen wie Bürokratieabbau, Vereinheitlichung und Harmonisierung von Prozessen voranzutreiben, als dies wenige Monate vor Ende seiner Amtszeit plötzlich zu thematisieren.
Auffällig ist doch, dass im Fazit des Textes einerseits eine ergebnisoffene Diskussion gefordert wird um gleich im nächsten Satz die im Artikel beschworene Abschaffung der Bez.-Ärztekammern als notwendige Veränderung zu gestallten. Da kann ich den ehrlichen Willen zu einer ergebnisoffenen Diskussion nicht erkennen.
In dem Artikel werden die verschiedenen Kammerbeiträge erwähnt, aber nicht, dass es diesbezüglich bereits Bestrebungen zur Vereinfachung gibt. Und wie sieht es mit den Kammerbeiträgen in den anderen Ärztekammern außerhalb von Rheinland-Pfalz aus? Diese liegen ohne die Struktur der Bezirksärztekammern deutlich höher als bei uns. Also kann die Arbeit und die Kammerstruktur in Rheinland-Pfalz so ineffizient nicht sein. Die Kammerbeiträge sollten keinesfalls höher sein als zwingend erforderlich, denn es geht um das Geld der Mitglieder.
Das Versorgungswerk in Koblenz und damit die Altersvorsorge der ärztlichen Kollegen ist an die Bezirksärztekammer gekoppelt, sodass eine Auflösung der Bez.-Ärztekammer zu nicht absehbaren Folgen für der Ärzteversorgung führen könnte. Da hilft auch nicht, wenn man gerade passend zu seinem Editorial die Stellungnahme eines Juristen abdruckt. Das hilft am Ende dann auch keinem.
Dr. Andreas Heck


